Auch Kröten sind politisch – CC-Beiratstagung in Berlin

20. Januar 2026In News

In Kreuzberg ist die Weltordnung noch in Ordnung: Ein Mal im Jahr treffen sich hier die Bei- und Aufsichtsrät*innen von Citizen Conservation, um über die Zukunft unserer Erhaltungszuchtprogramme zu diskutieren – und darüber, wie sie im Geist des „One Plan Approach“ dazu beitragen können, dem globalen Biodiversitätsverlust entgegenzutreten. Rund 35 Fachleute aus privater Tierhaltung, Zoos, Tiermedizin und Wissenschaft haben in den Räumlichkeiten von CC – und selbstverständlich den umliegenden Restaurants und Bars – vom 16. bis 18. Januar 2026 intensiv diskutiert und beraten, wie wir unser großes Ziel des Kapazitätenausbaus zur Rettung bedrohter Arten in menschlicher Obhut vorantreiben können.

Internationale Fragen

Ein Schwerpunkt der allgemeinen Diskussion lag auf der Etablierung von CC-Zuchtbüchern. Denn es ist nicht damit getan, eine Erhaltungszucht aufzubauen – sie muss auch über lange Zeiträume aufrechterhalten werden. Dafür muss die Population gemanagt werden. Was einfach klingt, erweist sich in der Praxis als komplexer Prozess, der unterschiedlichste Aspekte berührt. Wie wichtig und mitunter alternativlos aber solche koordinierten Erhaltungszuchten sind, zeigte Uwe Seidel auf, der den aktuellen Stand des von CC initiierten Kompetenzzentrums Alpensalamander vorstellte, in dem drei unmittelbar vom Aussterben bedrohte Formen des „Lurchs des Jahres 2026“ erforscht und zur Vermehrung gebracht werden sollen. Übrigens nach vorheriger Konsultation des Ursprungslands Italien.
Die Bedeutung solcher internationalen Kontakte und Absprachen wurde durch einen Gastvortrag von Mona von Schingen-Khan vom Bundesamt für Naturschutz eindrucksvoll unterstrichen. Die frisch gewählte Europa-Vertreterin im CITES Animals Committee berichtete von den jüngsten Entwicklungen im internationalen Artenschutz nach der Folgekonferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Usbekistan. Denn anders, als der aktuelle Weltgeist derzeit manchmal den Anschein macht, ist Verständigung und Kooperation am Ende entscheidend für langfristig erfolgreiche Projekte. Dementsprechend war ein wichtiges Thema der Diskussionen in den Fachbeiratsgruppen zu Amphibien, Fischen und Reptilien auch, wie die CC-Erhaltungszuchtprogramme mit den Herkunftsländern der betreuten Arten verknüpft werden können. In einer politisch zunehmend angespannten Weltlage keine einfache Aufgabe.

Anschub für das neue Jahr

Schließlich ging es neben diesen großen strategischen Fragen natürlich aber auch wieder ganz praktisch darum, welchen Arten wir in näherer Zukunft Asyl anbieten und wie die bereits bestehenden Programme verbessert werden können. Es lagen zahlreiche Vorschläge und Ideen für beide Aspekte vor, die von unseren Experten und Expertinnen mit Expertise und Herzblut verhandelt wurden. Schon jetzt können wir versprechen: Es wird auch 2026 weitere spannende Erweiterungen in unserem Artenportfolio geben.