Loja-Beutelfrosch
Gastrotheca lojana
Loja-Beutelfrosch
Gastrotheca lojana
Zielvorgabe CC
38 Haltende
Stand 11/2025
Zielvorgabe CC
225 Tiere
Stand 11/2025
Zielvorgabe CC
38 Haltende
Stand 11/2025
Zielvorgabe CC
225 Tiere
Stand 11/2025
David Friedrich Weinland, der von 1829 bis 1895 lebte, ist in Baden-Württemberg noch heute ziemlich bekannt. Sein Jugendroman „Rulaman“ erschien 1878 und erzählt die Geschichte eines Steinzeit-Jungen aus der Region. Das Buch ist ein echter Longseller: Es wurde in neun Sprachen übersetzt und allein in Deutschland über eine halbe Million mal verkauft. Es wird bis heute aufgelegt und gelesen. Weinland hat aber auch auf anderen Gebieten bleibenden Eindruck hinterlassen. Er war am Aufbau des Zoos in Frankfurt/Main beteiligt und als Biologe weltweit anerkannt. Und: Er fand als Erster heraus, was es mit der seltsamen Öffnung auf dem hinteren Rücken weiblicher Beutelfrösche auf sich hat – und das ist durchaus spektakulär!
Einzigartige Fortpflanzungsstrategie
Ein Backpacker-Frosch
Beutelfrösche sind mit 78 Arten im tropischen Amerika verbreitet. Die besagte Öffnung am Rücken führt in eine Bruttasche. Weinstein entdeckte, dass das Froschweibchen im Inneren dieses Beutels Kaulquappen trägt, die über eine Art Nabelschnur mit einer Struktur verbunden sind, die wie ein aufgeblasener Plastikbeutel aussieht. Er erkannte, dass es sich dabei um ausgelagerte Kiemen handelt. Mit diesen sogenannten Glockenkiemen, die sich wie eine Schutzfolie um sie legt, können die Quappen Sauerstoff aus dem gut durchbluteten Gewebe im Inneren des Beutels aufnehmen und so ungestört im Schutz der Hauttasche heranwachsen.
Wenn sie groß genug sind, werden sie von der Mutter in ein Gewässer entlassen, wo sie dann wie bei Kaulquappen üblich bis zur Metamorphose herumschwimmen. Bei manchen Beutelfröschen durchlaufen die Kaulquappen sogar die gesamte Entwicklung im Beutel und kommen erst als fertige Frösche ans Tageslicht.
"Der Loja-Beutelfrosch ist die Speerspitze der Beutelfroschevolution"
© Amadeus Plewnia
Fuß-Akrobaten
Der Sinn dieser Brutpflege ist offensichtlich: Im Beutel sind die Jungen bestens geschützt vor Austrocknung und Fressfeinden. Diese bei Fröschen einzigartige Anpassung hat im Gefolge weitere Besonderheiten hervorgebracht. Das geht schon bei der Paarung los. Die kleineren Männchen klammern sich im sogenannten Amplexus froschüblich auf dem Rücken der Weibchen fest. Aber dann geben sie nicht, wie es bei Fröschen Brauch ist, ihren Samen über die aus der Kloake des Weibchens austretenden Eier, sondern das Weibchen dreht seine Kloake weit nach oben, sodass eine kleine Senke auf dem hinteren Rücken entsteht. Darauf gibt das Männchen seinen Samen und verstreicht ihn mit seinen Füßen. Anschließend beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Das Männchen bugsiert dabei die austretenden Eier wiederum mit den Füßen durch die Samenflüssigkeit auf dem Rücken und stopft sie schließlich in den Beutel des Weibchens.
Loja-Beutelfrosch im natürlichen Lebensraum – aber wie lange noch? © Luis A. Coloma
Endreinigung inklusive
Im Beutel entwickelt sich umgehend ein gut durchblutetes Gewebe aus faserigen Membranen, das durch die anliegenden Glockenkiemen der Quappen für den Gasaustausch sorgt. Beim Loja-Beutelfrosch aus den Anden im südlichen Ecuador begibt sich die Mutter nach ein bis zwei Monaten zu einem Gewässer und entlässt die Larven ins Wasser. Dazu spreizt sie mit den Zehen ihrer Hinterfüße den Beutel auf, damit die Quappen den Weg nach draußen finden. Am Ende wird der Beutel noch endgereinigt: Renitente Nesthocker werden ebenso rabiat wie die abgeworfenen Glockenkiemen und Reste des atmungsaktiven Beutelgewebes mit dem Fuß herausgekratzt. Die Larven schwimmen dann, als wäre nichts gewesen, wie ganz normale Froschkaulquappen mit inneren Kiemen im Wasser, bis sie eines Tages die Metamorphose durchlaufen, über Lungen atmen und an Land gehen.
Einmal Froschgeburt – und wieder zurück
Einzigartig ist auch der Verlauf der Evolution bei den Beutelfröschen. Zunächst haben sie die Strategie entwickelt, den Nachwuchs bis zur Metamorphose im Beutel zu tragen: Das ist praktisch, um sich als Baumbewohner unabhängig von Gewässern zu machen, die dann nicht mehr eigens aufgesucht werden müssen und wo außerdem viele Gefahren auf die Kaulquappen lauern. Ein Problem, dem andere Frösche begegnen, indem sie extrem große Gelege mit vielen hundert oder gar Tausenden Eiern absetzen. Den Beutelfröschen dagegen reichten relativ wenige Eier, weil die Larven gut geschützt im Beutel heranwachsen. Sie waren mit dieser Taktik so erfolgreich, dass sie auch die Páramo-Gebiete in den Höhenlagen der Anden besiedeln konnten. Doch dort gibt es keine Bäume, dafür aber viele kleine Gewässer und wenig Fressfeinde. So sind die Loja-Beutelfrösche und ihre Verwandten wieder einen Entwicklungsschritt zurückgegangen: Der hohe Aufwand für die Mutter, die Jungen bis zur Metamorphose mit sich herumzuschleppen, war nicht mehr nötig. Daher schmeißen sie die Brut heute schon früher aus dem Haus – beziehungsweise aus dem Beutel. Der Loja-Beutelfrosch ist also die Speerspitze der Beutelfroschevolution!
Im Schutz des Beutels
Der Trick wird zur Falle
Umso tragischer ist es, dass er kurz vor dem Aussterben steht. Im Status der internationalen Roten Liste, wo die Art noch als „gefährdet“ eingestuft wird, zeigt sich das noch nicht so dramatisch. Was daran liegt, dass diese Einstufung aus dem Jahr 2016 stammt. Aktuelle Forschungsergebnisse kommen aber zu dem Schluss, dass der Loja-Beutelfrosch bei der nächsten Aktualisierung der Red List in die höchste Kategorie „vom Aussterben bedroht“ eingeordnet werden muss. Denn seine ehemaligen Anpassungserfolge haben sich heute ins Gegenteil verkehrt. Die Páramo- und Buschlandgebiete rund um die ecuadorianische Stadt Loja, die er ursprünglich bewohnte, sind durch menschliche Siedlungen und Landwirtschaft weitgehend zerstört worden, und jetzt haben die ins Wasser zurückgekehrten Kaulquappen plötzlich mit Umweltverschmutzung und eingeschleppten Fischen zu kämpfen. So drohen diese einzigartigen Frösche für immer verloren zu gehen – höchste Zeit also, nicht nur ihren Lebensraum zu schützen, sondern auch ein Erhaltungszuchtprogramm für sie aufzubauen!
Für Haltende
Basisinformationen zu Biologie und Haltung
Ein Frosch nur für erfahrene Haltende. Wichtig ist eine möglichst ausgeprägte nächtliche Abkühlung. Tagestemperaturen 16–24 °C. Terrarium für ein Paar ab 50 x 50 x 60 cm (Länge x Breite x Höhe). Dreimonatige Trockenzeit, nachts hohe Luftfeuchtigkeit. Ernährung mit lebenden Insekten problemlos.

























