Charco-Azul-Wüstenkärpfling
Cyprinodon veronicae
Charco-Azul-Wüstenkärpfling
Cyprinodon veronicae
Zielvorgabe CC
15 Haltende
Stand 05/2026
Zielvorgabe CC
225 Tiere
Stand 05/2026
Zielvorgabe CC
15 Haltende
Stand 05/2026
Zielvorgabe CC
225 Tiere
Stand 05/2026
Ein Fisch in der Wüste. Das klingt zunächst nach einer ziemlich schlechten Standortentscheidung. Für den Charco-Azul-Wüstenkärpfling war es trotzdem die richtige – solange die von ihm bewohnte Quelle sprudelte.
"Auch ein Wüstenfisch braucht eben Wasser”
© Anton Lamboj
Eine nasse Insel
Ojo de Agua Charco Azul hieß die ganze Welt dieses besonderen Fischs. Ein Quellgewässer im mexikanischen Bundesstaat Nuevo León, rund 1.600 Meter über dem Meeresspiegel. In der halbtrockenen Landschaft ringsum wuchsen Kakteen und andere Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen. Direkt an der Quelle dagegen standen schattenspendende Gehölze. Unter der Wasseroberfläche breiteten sich Hornblatt, Laichkraut und andere Wasserpflanzen aus. Der Grund war lehmig bis schlammig, das Wasser ursprünglich kristallklar und mit etwa 19–20 °C überraschend kühl für einen Ort mitten in der Wüste.
Bei der Paarung können die Männchen des höchstens fünfeinhalb Zentimeter langen Charco-Azul-Wüstenkärpflings ihre Farbe von Braun zu Violettblau wechseln. Ein kleiner Farbtupfer in einer Landschaft, in der man eher nach einer Echse als nach einem Fisch Ausschau halten würde.
Überleben in Nordamerikas Wüsten
Kein Anschluss unter dieser Quelle
Für einen Fisch kann ein isoliertes Quellgewässer Heimat und Falle zugleich sein. Solange Wasser nachströmt, bietet es einen verlässlichen Lebensraum. Versiegt die Quelle, gibt es jedoch keinen benachbarten Wasserlauf, in den ihre Bewohner ausweichen könnten. Und wenn eine Art weltweit nur an diesem einen Ort vorkommt, gefährdet ein sinkender Wasserstand nicht bloß einen einzelnen Bestand. Er bedroht die gesamte Art.
Genau das wurde dem Charco-Azul-Wüstenkärpfling zum Verhängnis. Für die Landwirtschaft wurde zunehmend Grundwasser entnommen. Die Quelle verlor ihre Versorgung, schließlich trocknete das Gewässer in den 1990er-Jahren aus. Doch auch ein Wüstenfisch braucht Wasser, und gegen eine versiegende Quelle kann auch ein noch so anpassungsfähiger Zahnkärpfling nichts ausrichten.
Cyprinodon veronicae im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky
Ausgestorben – zumindest in der Natur
Damit hätte die Geschichte zu Ende sein können. War sie aber nicht. Zum Glück waren rechtzeitig vor dem Versiegen einige der Fische in menschliche Obhut gelangt und vermehrt worden. Während die Art aus ihrem Heimatgewässer verschwunden ist, leben ihre Nachkommen in Aquarien weiter.
„Extinct in the Wild“, lautet deshalb der Status der Art auf der internationalen Roten Liste: in der Natur ausgestorben. Die drei zusätzlichen Wörter machen einen gewaltigen Unterschied. Sie bedeuten, dass es noch etwas zu bewahren gibt. Tiere, die fressen, umherschwimmen und für Nachwuchs sorgen. Und damit die Möglichkeit erhalten, dass ihre Art eines Tages wieder außerhalb von Aquarienscheiben existiert.
Der Charco-Azul-Wüstenkärpfling ist die erste Art dieser Kategorie bei Citizen Conservation. Bei ihm geht es also nicht darum, vorsorglich eine Reserve für schlechte Zeiten aufzubauen. Die schlechten Zeiten sind längst eingetreten. Was in menschlicher Obhut erhalten wird, ist der verbliebene Bestand einer ganzen Art – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Zwischen letzter Zuflucht und Rückkehr
Wieder Wasser unter den Flossen?
Eine Art über Jahrzehnte zu erhalten, verlangt mehr als gelegentlichen Nachwuchs. Es braucht Menschen, die dauerhaft Verantwortung übernehmen, Haltungen weiterführen und die Zucht miteinander abstimmen. Dazu trägt Citizen Conservation bei. Denn auch eine Art, die in Aquarien überlebt hat, kann dort wieder verloren gehen.
Inzwischen gibt es für den Wüstenkärpfling eine Perspektive über das Aquarium hinaus. Die Zoological Society of London (ZSL) züchtet die Art im Whipsnade Zoo und arbeitet mit Partnern auf eine spätere Wiederansiedlung in Mexiko hin. Im Rahmen des Phoenix Species Project soll eine Rückkehr nach Charco Azul vorbereitet werden. Untersuchungen am ehemaligen Quellstandort haben Hinweise darauf geliefert, dass eine Wiederherstellung möglich sein könnte. Entscheidend ist dabei die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort: Das Wasser muss langfristig für ihre Bedürfnisse und für den Lebensraum reichen.
Bis dahin müssen die kleinen Fische in menschlicher Obhut erhalten bleiben. Damit in der Wüste eines Tages wieder das möglich wird, was zunächst so widersprüchlich klingt: ein ganz normales Fischleben.
Für Haltende
Basisinformationen zu Biologie und Haltung
Größere Gruppen in Becken ab 80 cm Länge mit Weibchenüberschuss. Die Tiere benötigen sehr hartes, alkalisches Wasser mit pH-Wert über 7,5. Das Aquarium sollte gut strukturiert sein, da die Tiere untereinander aggressiv sind. Freilandhaltung in Mörtelkübeln ist von April bis Oktober möglich. Gezielter Zuchtansatz in 40-cm-Aquarien mit einem Pärchen oder Trio (1,2). Inkubation der Eier und Aufzucht der Jungfische in techniklosen 5 – 10-L-Aquarien oder Plastikboxen möglich.



















