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Im Jahr 1771 schrieb der Arzt und Botaniker Joseph-Philibert Commerson: „Madagaskar ist wahrscheinlich das gelobte Land für Naturforscher. Die Natur scheint sich hier in ihr ganz besonderes Heiligtum zurückgezogen zu haben, in dem sie mit vollkommen anderen Modellen arbeitet, als denen, die sie anderen Ortes angewendet hat. Auf Schritt und Tritt findet man hier bemerkenswerte und außergewöhnliche Lebensformen.“ Der Eindruck trog Commerson nicht: Tatsächlich ist Madagaskar ein Hotspot der globalen Biodiversität. Der Grund dafür liegt in seiner schon mehr als 150 Millionen Jahre währenden erdgeschichtlichen Isolation. Die Natur konnte lange Zeit ungestört eigene Wege gehen. Die Promis unter den madagassischen Besonderheiten sind natürlich die Lemuren.

Entdeckung und Bestimmung einer Art

Entdeckung und Bestimmung einer Art

Bedrohte einzigartige Süßwasserfauna

Aber auch in den Flüssen, Seen und Sümpfen tummelt sich eine einzigartige Fauna. 169 Süßwasserfische sind für Madagaskar beschrieben – das sind nicht übermäßig viele Arten. Aber davon sind ungefähr zwei Drittel nur hier zu Hause, viele sogar nur in einem einzigen, kleinen Gewässersystem. Nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind rund 80 % der madagassischen Fischarten gefährdet: Mehr als ein Drittel gilt als „stark gefährdet“, ein weiteres Fünftel sogar als „unmittelbar vom Aussterben bedroht“. Für sieben Arten kommt wohl jede Hilfe zu spät, sie gelten bereits als ausgerottet. Damit sind Süßwasserfische die bedrohteste Wirbeltiergruppe Madagaskars.

Lebensraum und Bedrohungen

Trio infernale

Die Fische Madagaskars haben drei Hauptprobleme: die rasant fortschreitende Entwaldung, die Überfischung und die Bedrohung durch eingeschleppte, invasive Arten. Unglücklicherweise ist der Madagaskar-Ährenfisch gleich von allen dreien betroffen. Dabei ist er nicht einmal besonders pingelig, was die Wahl seiner Wohngewässer angeht. Er lebt in Flüssen und Sümpfen, und im Grunde ist ihm ziemlich egal, was am Ufer los ist – solange sein Wasser schön beschattet ist. Genau das ist aber aufgrund der Abholzung oft nicht mehr der Fall. Sind die Bäume verschwunden, brennt die Sonne aufs Wasser und macht das Gewässer für die Ährenfische unbewohnbar.

Der Bestand in Aquarien ist heute wohl um ein Vielfaches größer als in der Natur.

Aquarium für Madagaskar-Ährenfische im Kölner Zoo | Thomas Ziegler

Kleine Leckerbissen

Obwohl dieser Fisch eher ein Fischlein ist und kaum zehn Zentimeter Länge erreicht, wird er vor Ort gerne gegessen. Leider erfolgt die Fischerei nicht nachhaltig. In den Gewässern Madagaskars schwimmen außerdem zahlreiche eingeschleppte Arten aus anderen Teilen der Welt herum. Als Super-Aggressor hat sich der 30 Zentimeter lange Schlangenkopffisch aus China und Vietnam erwiesen. Gierig überwältigt er alles, was kleiner ist als er selbst. Die Ährenfische werden so wortwörtlich zum gefundenen Fressen.

Rettung im Aquarium

Zwei glückliche Umstände lassen hoffen, dass der Madagaskar-Ährenfisch trotz allem überlebt. Er bewohnt nicht nur eines, sondern zahlreiche Gewässersysteme an der zentralen Ostküste der Insel. Und er erfreut sich als Zierfisch einiger Beliebtheit und wird daher für die Aquaristik gezüchtet. So ist der Bestand in Aquarien heute wohl um ein Vielfaches größer als in der Natur. Umso wichtiger, mit einem koordinierten Zuchtprogramm dafür zu sorgen, dass der Madagaskar-Ährenfisch in eine gut beschattete Zukunft schwimmen kann!

Basisinformationen zu Biologie und Haltung

Ein auch für Einsteiger empfehlenswerter, problemlos zu haltender Fisch. Zur Haltung einer Gruppe von fünf erwachsenen Tieren ist ein Aquarium ab 120 Liter geeignet (ca. 80 x 40 x 40 cm). Besser sind größere Aquarien bis 400 Liter, in denen auch Gruppen bis zu 10 Tiere gepflegt werden können. Wasserpflanzen dienen der Eiablage. Die Wassertemperaturen liegen konstant bei 24–25 °C. Die Art ist tolerant gegenüber verschiedenen Wasserwerten (pH 7–8). Als Futter eignet sich z. B. handelsübliches Flockenfutter, Frostfutter (Mückenlarven, Bachflohkrebse), Lebendfutter (Artemien, Weiße Mückenlarven).