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Im Jahr 1771 schrieb der Arzt und Botaniker Joseph-Philibert Commerson:
„Madagaskar ist wahrscheinlich das gelobte Land für Naturforscher. Die Natur scheint sich hier in ihr ganz besonderes Heiligtum zurückgezogen zu haben, in dem sie mit vollkommen anderen Modellen arbeitet, als denen, die sie anderen Ortes angewendet hat.
Auf Schritt und Tritt findet man hier bemerkenswerte und außergewöhnliche Lebensformen.“

Die Erklärung für diese Einzigartigkeit und Artenvielfalt liegt in der erdgeschichtlichen Vergangenheit. Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und wurde vor rund 160 Millionen Jahren von Afrika und vor 88 Millionen Jahren vom indischen Subkontinent getrennt. Dieses Auseinanderdriften trennte auch die Ur-Buntbarsche voneinander. In Afrika und Südamerika spalteten sie sich in 1.700 Arten mit den erstaunlichsten Fortpflanzungsvarianten und ebenso vielfältigen Farben auf. Auf Madagaskar aber blieben sehr ursprüngliche Buntbarsche zurück – ein Fest für Evolutionsbiologen. Einer dieser Ur-Fische ist der Mangarahara-Buntbarsch (Ptychochromis insolitus).

Dies ist der Titel der Bildergalerie

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„Joba Mena“ – vom Aussterben bedroht

Der Mangarahara-Buntbarsch ist ein etwa 15 Zentimeter großer, hochrückiger Fisch mit grausilbener bis silbergoldener Körperfärbung und verstreuten dunklen Flecken verschiedener Größe.

Die Flossenränder adulter Männchen weisen eine rötliche Färbung auf. Aufgrund dieser Rotfärbung werden die Tiere auf Madagassisch „Joba Mena“ genannt – was soviel bedeutet wie „rotes Mädchen“. Tatsächlich sind es ausschließlich die Männchen, die diese Rotfärbung zeigen. In seiner madagassischen Heimat, einigen wenigen Nebenflüssen des Sofia-Flusses im Nordosten der Insel, galt der Mangarahara-Buntbarsch bereits bei seiner wissenschaftlichen Erstbeschreibung im Jahr 2006 als akut vom Aussterben bedroht. Auch deshalb brachte man einige Exemplare in menschliche Obhut.

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Das Ende – nicht

Die Bestände in zoologischen Institutionen beliefen sich im Jahr 2012 jedoch nur noch auf ernüchternde vier Exemplare: zwei einzelne Männchen im Zoo von London und ein Pärchen im Aquarium Berlin. Das Berliner Weibchen wurde kurz darauf bei einem Verpaarungsversuch vom Männchen getötet – es galt als das letzte seiner Art in menschlicher Obhut weltweit. Ein Unglück kommt selten allein: Etwa zur gleichen Zeit trocknete der Mangarahara-Fluss in Madagaskar weitläufig aus, und somit war auch die letzte bekannte Population in freier Wildbahn erloschen. Damit schien das Aussterben der Art besiegelt. Ptychochromis insolitus wurde zum „seltensten Fisch der Welt“ erklärt.
Um ihn zu retten, startete der Zoo von London 2013 einen verzweifelten Aufruf. Wanted: ein weiblicher Mangarahara-Buntbarsch. Lebend.
Schließlich meldete sich der madegassische Hotelbesitzer und Fischliebhaber Guy Tam Hyock. In einem kleinen Nebenarm eines ausgetrockneten Flusses sollten die Fische noch vorkommen. Die Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL), der Toronto Zoo und die Universität von Antananarivo starteten eine Suchaktion. 2013 schließlich wurden 18 Tiere entdeckt – in einem zum Tümpel gewordenen Restgewässer schlechter Wasserqualität. Sofort wurden die Fische gefangen und Guy Tam Hyock in Andapa zur Nachzucht übergeben – mit Erfolg.

Hier steht ein Zitat zum Mangarahara-Buntbarsch

Schönes Bild | Fotograf

Wie es so weit kommen konnte

In kaum einem Land der Erde ist die Entwaldung so weit fortgeschritten wie in Madagaskar. Die ehemals grüne ist längst zu einer roten Insel geworden, über 90 Prozent der ursprünglichen Waldfläche sind vernichtet. Dies führt zu einer starken Bodenerosion und einem Eintrag von Schwebstoffen in die Flüsse. Da Ptychochromis insolitus klares Wasser bevorzugt, stellen die Erosionsfolgen einen direkten Bedrohungsfaktor dar.
Der Wasserbedarf für die Landwirtschaft, vor allem für den Reisanbau, ist groß. Um ihn zu decken, werden Staudämme errichtet, die das Wasser umleiten und das natürliche Fließregime der Flüsse verändern. Mancherorts trocknen sie komplett aus. Auf diese Weise wurde auch die Population im namensgebenden Mangarahara-Fluss ausgelöscht.

Eine neue Hoffnung

Im Jahr 2019 übernahm der Kölner Zoo 30 Exemplare des Mangarahara-Buntbarsches. Auch hier verliefen die Nachzuchtbemühungen sehr erfolgreich, und Jungtiere wurden bereits an verschiedene zoologische Institutionen weitergegeben. Zusammen mit Citizen Conservation wurde 2020 ein Erhaltungszuchtnetzwerk ins Leben gerufen, um langfristig eine stabile Reservepopulation dieser bedrohten Art in Menschenobhut unter Einbeziehung privater Enthusiasten aufzubauen – um ein erneutes Beinahe- oder gar Diesmal-wirklich-Aussterben der Art in der Zukunft so sicher wie möglich zu verhindern.

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Basisinformationen zu Biologie und Haltung
Eine gut zu pflegende madagassische Buntbarschart, die jedoch innerartlich aggressiv reagieren kann. Zur Haltung einer Gruppe von 10–12 adulten Exemplaren eignen sich Aquarien von mindestens 1,5 m Länge und 500 l Wasservolumen. Die Art ist tolerant gegenüber verschiedenen Wasserwerten. Gute Erfahrungen bei Haltung und Zucht wurden bislang mit folgenden Werten gemacht: Temperatur 24–25 °C, Karbonathärte 3–6° dH (KH), GH 5–10, 230–330 Mikrosiemens, 7,5–7,8 pH. Als Futter eignet sich: Handelsübliches Flockenfutter; Frostfutter (Weiße, Schwarze und Rote Mückenlarven und Bachflohkrebse); Lebendfutter (Artemien, Weiße Mückenlarven).

Basisinformationen zu Biologie und Haltung

Eine gut zu pflegende madagassische Buntbarschart, die jedoch innerartlich aggressiv reagieren kann. Zur Haltung einer Gruppe von 10–12 adulten Exemplaren eignen sich Aquarien von mindestens 1,5 m Länge und 500 l Wasservolumen. Die Art ist tolerant gegenüber verschiedenen Wasserwerten. Gute Erfahrungen bei Haltung und Zucht wurden bislang mit folgenden Werten gemacht: Temperatur 24–25 °C, Karbonathärte 3–6° dH (KH), GH 5–10, 230–330 Mikrosiemens, 7,5–7,8 pH. Als Futter eignet sich: Handelsübliches Flockenfutter; Frostfutter (Weiße, Schwarze und Rote Mückenlarven und Bachflohkrebse); Lebendfutter (Artemien, Weiße Mückenlarven).