Der große Frosch-Treck

25. März 2026In News

Das ist aber ein seltsamer Smoothie! 2024 fiel dem Zoll am Flughafen Zürich ein Tourist aus Costa Rica mit drei Thermoskannen auf, in denen sich keine Getränke, sondern Wasser mit Kaulquappen sowie ein Froschgelege befanden. Die Behörde gab den Lurch-Mix an den Zoo Zürich, zumal man letztlich nicht wusste, was sich wohl aus den Quappen und Eiern entwickeln würde. Wie sich zeigte, handelte sich um den Nachwuchs von zwei international geschützten Arten, dem Rotaugenlaubfrosch und seinem bedrohten Verwandten, dem Orangeaugenlaubfrosch (Agalychnis annae).

Der Orangeaugenlaubfrosch (Agalychnis annae)

Überleben in der Großstadt

Im Zoo Zürich gelang Kurator und CC-Beirat Holger Kraus und seinem Team die Aufzucht der Frösche, die sich in ihrer neuen Heimat sichtlich wohlfühlten. Nach nicht einmal einem Jahr schritten sie im August 2025 selbst zur Fortpflanzung. Schließlich gingen über 200 Jungfrösche der gefährdeten Art in Zürich an Land.
Der Orangeaugenlaubfrosch ist mit seinem grünen Körper, den blauen Flanken und den orangefarbenen Augen eine ikonische Art. Leider hat er verheerende Bestandseinbußen erlitten. In den 1980er-Jahren ist er im Großteil seines ehemaligen Verbreitungsgebiets ausgestorben, selbst in weitgehend unberührten Nationalparks. Der Grund dafür war der berüchtigte Froschpilz, der in Zentralamerika eine Schneise der Verwüstung schlug und ganze Arten ausrottete. Der Orangeaugenlaubfrosch überlebte zum Glück – ausgerechnet in der von Umweltverschmutzung und Zersiedlung besonders betroffenen Hauptstadt San José und umliegenden Kaffeeplantagen. Warum, bleibt vorerst unklar.

Furioser Start

Ganz klar ist jedoch, dass die Lage der letzten überlebenden Populationen so prekär ist, dass wir nicht allein darauf vertrauen dürfen, dass sie sich schon erholen werden. Daher ist der Zoo Zürich an Citizen Conservation herangetreten, um gemeinsam ein Erhaltungszuchtprogramm aufzulegen.
Nachdem sämtliche behördlichen Genehmigungen vorlagen, haben Holger Kraus und Lukas Reese vom Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe in der vergangenen Woche 187 der Frösche eingepackt, durch den Zoll und schließlich in den Karlsruher Zoo gebracht. Dort wartete bereits CC-Beirat Tobias Eisenberg, um die Tiere zu übernehmen und direkt weiter zu verteilen – eine reibungslose Froschkette mit Übergaben auf Autobahnraststätten, in Privatwohnungen und Zoos, die dazu führte, dass die wertvolle amphibische Fracht binnen 48 Stunden in 14 Haltungen über das ganze Land verteilt wurde, wo die erfahrenen Halterinnen und Halter von Citizen Conservation und die Zoos Karlsruhe, Chemnitz und Rheine sie wohlbehalten in ihre Terrarien setzen konnten. Die spektakuläre Aktion wurde begleitet von einem Fernsehteam des SWR.

Vom Froschentdecker zum Froschretter

Zusätzlich ist noch der Grundstein für ein weiteres Artenschutzprogramm gelegt worden. Nach behördlichen Beschlagnahmungen illegal gehaltener Vicentes Baumsteiger (Oophaga vicentei) kamen auch diese stark gefährdeten Frösche in die Zoos von Zürich, Karlsruhe und Frankfurt. Der hübsche Pfeilgiftfrosch aus Panama wurde erst 1996 vom CC-Beirat, Biologen und Terrarianer Karl-Heinz Jungfer entdeckt. Mit Zustimmung der Schweizer Behörden und des Bundesamts für Naturschutz haben die drei Zoos nun damit begonnen, in Zusammenarbeit mit Citizen Conservation ein Erhaltungszuchtprogramm für die kleinen, schwarz-roten Frösche (es gibt auch andere Farbvarianten) zu starten. Die ersten elf Tiere sind mit der Froschkette aus Zürich nach Karlsruhe gekommen, wo ein Teil von ihnen bleibt und den bereits bestehenden Bestand dort unterstützt, während weitere Paare an den Zoo Frankfurt gingen – und als besonderes gutes Omen für ein gelingendes Projekt an den Entdecker der Art höchstselbst. Karl-Heinz Jungfer war in Karlsruhe zur Stelle, um „seine“ Frösche in Empfang zu nehmen und zukünftig durch Nachzucht im Terrarium dazu beizutragen, sie vor dem Aussterben zu retten. Selbstverständlich ist auch bei dieser nicht ganz leicht zu haltenden Art geplant, die Basis des Programms zu verbreitern, indem weitere private Spezialistinnen und Spezialisten im Rahmen von Citizen Conservation hinzukommen.

SWR-Reportage featuring CC-Beiräte Holger Kraus und Lukas Reese sowie CC-Haltende Tobias Eisenberg und Karl-Heinz Jungfer