
Woran erkennt man, ob ein Salamander sich wohlfühlt? Beispielsweise daran, ob er gut wächst und wohlgenährt ist. Weil man das aber bei so kleinen Lurchen nicht verlässlich auf den ersten Blick sieht – und natürlich, weil wissenschaftliche Daten gesammelt werden sollen – war am letzten September-Tag des Jahres 2026 großer Wiege- und Mess-Tag im „Salamanderbunker“ der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Seit gut einem Jahr ist dort der größere Teil des von Citizen Conservation initiierten und finanzierten Alpensalamander-Kompetenzzentrums beheimatet, neben einer zweiten Zweigstelle im Erlebnis-Zoo Hannover. Über den traurigen Grund dafür, dass mehrere dutzend Vertreter von drei hochgradig gefährdeten Formen des Alpensalamanders in den kühlen Gemäuern ehemaliger NATO-Bunker in Niedersachsen leben, haben wir in der Vergangenheit ausführlich berichtet.
Salamander Slow Dating
Seit ihrer Rettung nach Wilderei und schlechter Haltung durch die Unterbringung im Alpensalamander-Kompetenzzentrum und das mühevolle Aufpäppeln durch CC-Mitarbeiter Uwe Seidel hat sich das Schicksal der seltenen Lurche aus den norditalienischen Alpen zum Guten gewendet. Allen Tieren, die die Tortur überlebt haben, geht es heute prächtig. Auch das erste Jungtier, das im vergangenen November geboren wurde, hat sich bestens entwickelt und ist bereits halbwüchsig. Im Sommer hat Uwe Seidel, der die Pflege der Tiere vor Ort betreut und überwacht, erste erotische Anbahnungen zwischen ihnen eingeleitet: 11 Paare geschlechtsreifer Tiere wurden im Juni zusammengestellt und über den Sommer in trauter Zweisamkeit belassen, damit sie sich näherkommen können, bevor sie nun anlässlich des Wiege-Tages wieder getrennt wurden – denn an sich lebt der Salamander gern allein. Um zu wissen, ob aus den zwischenzeitlichen Liaisons Nachwuchs entsteht, muss man allerdings noch etwas Geduld aufbringen: Alpensalamander weisen die längste Tragzeit unter allen Wirbeltieren auf. Von der Paarung bis zur Geburt der lebenden Jungen vergehen oft bis zu vier Jahre. Aber ein gutes Zeichen war auf jeden Fall, dass einige der Weibchen bald eine deutlich sichtbare Leibesverdickung zeigten, die vermutlich eine Ovulation anzeigt, also die Abgabe von Eiern aus dem Eierstock – die Grundvoraussetzung für eine potenzielle spätere Befruchtung und ein Beleg dafür, dass die jahreszeitliche Taktung bei den Tieren im Bunker gelungen ist.
Blaupause für die Salamanderrettung
Unser bemerkenswertes Artenschutzprojekt zum „Lurch des Jahres 2026“ hat inzwischen einige Aufmerksamkeit erfahren. So hatte sich in diesem Sommer am 3. Juli der niedersächsische Umwelt-, Energie- und Klimaschutzminister Christian Meyer angesagt, um die Lurche und das Kompetenzzentrum in Augenschein zu nehmen. Sachsenhagens Stationsleiter Florian Brandes und Uwe Seidel zeigten und erklärten ihm alles rund um die Bemühungen, eine Ex-situ-Zucht für diese Amphibien aufzubauen.
Für die Expertise, die dabei bereits gesammelt wurde, interessiert sich auch die Fachwelt. So war das Kompetenzzentrum Thema auf einer italienischen Fachtagung vom 11. bis 12. Juli in Ostana, direkt im Verbreitungsgebiet von Lanzas Alpensalamander, einer der drei gefährdeten Formen, die in Sachsenhagen und Hannover betreut werden. In Vertretung von Uwe Seidel stellte dort Prof. Sebastian Steinfartz von der Universität Leipzig den dort versammelten italienischen, französischen und schweizerischen Kollegen das Projekt vor. Es dient somit auch als Blaupause für weitere Projekte dieser Art – beginnend mit einer Station nach Sachsenhagener Vorbild im Zoo Paris, wo mit 17 Tieren, die mit behördlicher Genehmigung entnommen wurden, eine weitere Ex-situ-Haltung von Lanzas Alpensalamander eingerichtet wurde. Mit einem Tagungsband zur Konferenz werden die Ergebnisse auch einem breiteren Fachpublikum zur Verfügung stehen, und auch bei der im österreichischen Salzburg vom 13.–15. November stattfindenden Internationalen Fachtagung zum Alpensalamander wird das Kompetenzzentrum von CC vorgestellt.

Die Alpen sind international: Der Initiator der Salamander-Tagung in Italien, Franco Andreone (Uni Turin), im Lebensraum von Lanzas Alpensalamander mit Sebastian Steinfartz (Uni Leipzig), der das Alpensalamander-Kompetenzzentrum in Vertretung von Uwe Seidel für CC auf der Tagung vorgestellt hat.

Blick in den Lebensraum von Lanzas Alpensalamander beim Tagungsort – eine harsche Hochgebirgslandschaft, im Sommer immerhin schneefrei

Lanzas Alpensalamander im Habitat
Massenansturm vor der Ruheperiode
Aber nicht nur Fachleute interessieren sich für das Alpensalamander-Kompetenzzentrum – beim Tag der Offenen Tür in Sachsenhagen am 30. August war das Interesse des Publikums so groß, dass Uwe Seidel statt der geplanten drei geschlagene 32 Führungen durchführen musste und so an einem langen, anstrengenden Tag 1000 lebhaft interessierte Besuchende durch die Bunker-Anlage führte und die Besonderheiten dieser ganz speziellen Amphibien und die Notwendigkeit ihrer Ex-situ-Haltung und -Zucht erläuterte.
Nach diesem aufregenden Sommer kehrt nun aber allmählich auch wieder für längere Zeit Ruhe ein im Kompetenzzentrum: Spätestens, wenn im natürlichen Verbreitungsgebiet der erste Schnee fällt, endet auch die kurze Aktivitätszeit der Hochgebirgssalamander, die sich dann für ein gutes halbes Jahr in ihre wohlverdiente Winterruhe begeben …









