
Es ist ein alljährlich sich wiederholendes Ritual. An einem Dienstag im Herbst setzen sich mehr als 1000 Zoomenschen in Bewegung, um sich an einem Ort in Europa zu versammeln. In diesem Jahr hieß das Ziel Paris. 122 Sitzungen an vier Tagen – die thematische Artenvielfalt reicht von den Details der gezielten Nachzucht bedrohter schottischer Wasserschnecken oder indonesischer Schweine über die potenzielle Gefahr der Vogelgrippe für Mensch und Tier bis hin zu Fragen der aktuellen Budgetgestaltung und Gesetzesinitiativen der Europäischen Union. Das inhaltliche Kerninstrument der Europäischen Zoogemeinschaft EAZA bilden dabei seit jeher die koordinierten Erhaltungszuchtprogramme. In den 1980er Jahren entwickelt und seitdem beständig aufgebaut, zählt die Zoogemeinschaft inzwischen um die 500 derartige Programme.
Erhaltungszucht gemeinsam weiterdenken
2018 begann Citizen Conservation, nach dem Vorbild der EEPs, eigene komplementäre Erhaltungszuchtprogramme unter Einschluss von Privathaltenden aufzubauen. Inzwischen steuert CC so weitere 38 koordinierte Programme bei, an denen auch viele EAZA-Zoos teilnehmen. Entsprechend wichtig ist der Austausch mit den Koordinator*innen auf europäischer Ebene. Stärken der Zoos sind die fachliche Erfahrung sowie die punktuelle Vernetzung mit entsprechenden Artenschutz-Bemühungen in den Herkunftsländern (in situ), gleichzeitig basieren viele EEPs auf der Kooperation von sehr wenigen Institutionen, was natürlich immer mit gewissen Risiken für die Populationen einhergeht. Hier kann CC seine Stärke über die ungleich höheren Kapazitäten im privaten Sektor beisteuern und so dazu beitragen, für deutlich mehr Arten dauerhaft überlebensfähige Populationen in Menschenobhut zu bewahren.
Erfreulicherweise entwickelt sich im Laufe der Zeit eine immer engere Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Zoogemeinschaft, nicht zuletzt durch die Zoo-Vertreter, die in den Fachbeiräten von CC aktiv sind.
Von Pfeilgiftfröschen bis zu Fischen
So berichtete Kurator Holger Kraus (Zoo Zürich) über die Fortschritte bei den Pfeilgiftfröschen der Gattung Oophaga, für die es sowohl EEPs als auch CC-Programme gibt, und Lukas Reese (Zoo Karlsruhe) über Harlekinkröten (Atelopus), bei denen CC mit der Implementierung des Atelopus balios Programms vor einigen Jahren ein guter Erfolg gelungen ist. Auch bei den Fischen nimmt die Zusammenarbeit inzwischenFahrt auf, was angesichts der hohen Anzahl an bedrohten Arten und der verhältnismäßig geringen Kapazitäten der Zoos im Vergleich zu denen der Hobby-Aquarianer ein enormes Potenzial birgt.
Neue Perspektiven für Lanzas-Alpensalamander
Auch das von CC angestoßene und co-finanzierte Alpensalamander-Kompetenzzentrum war auf der diesjährigen EAZA-Tagung ein zentrales Thema. Der Zoo Paris hat in diesem Frühjahr nach dem Vorbild der Anlagen in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen und dem Erlebnis-Zoo Hannover eine erste Ex-situ-Erhaltungszuchtstation für Lanzas-Alpensalamander aufgebaut und die ersten 15 Tiere in seine Obhut genommen. Dies bedeutet eine Verdopplung der Anzahl der verfügbaren Tiere für eine Erhaltungszucht. Bis 2024 gab es lediglich ein Tier dieser extrem bedrohten Art im Zoo Chemnitz, ein 35 Jahre altes Weibchen. Ende 2024 kamen dann in Folge einer Beschlagnahmung weitere 11 Tiere hinzu, die den Grundstock dieser Art im Alpensalamander-Kompetenzzentrums bilden. Diese extrem geringen Zahlen sind keine Ausnahme, sondern ein Spiegelbild der Situation, in der sich viele Arten inzwischen befinden, und auch ein Gradmesser unserer Verantwortung, diese Populationen bestmöglich zu erhalten.
Zumindest in der Ex-situ-Gemeinschaft scheint sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, das dies nur gelingen kann, wenn alle, die etwas beitragen können zum Gelingen, in diese gemeinsame Aufgabe integriert werden. Dies war in Paris deutlich zu spüren und oft zu hören, in Vorträgen, in Pausen und am Rande der informellen Abendveranstaltungen. So ein bisschen Liebe lag dann doch in der Luft, an den Ufern der Seine… Deshalb war es eine gute Tagung.







